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Musikschule im Gespräch

„Kooperationen“ waren im September das Thema der Talkrunde der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken.
Percussionsprojekt mit Schülern der Grundschule Kirchberg Percussionsprojekt der Musikschule mit Schülern der Grundschule Kirchberg
 

Schüler der Grundschule Kirchberg führen vor, was sie beim „Percussionprojekt“ von den Musikschullehrerinnen Birgit Ibelshäuser und Esther Klein gelernt haben.

Während sie voller Begeisterung trommeln und singen, ist es auf der anderen Seite der Bühne mucksmäuschenstill: Die  Schüler der Blockflötenklassen der Grundschule Dellengarten hören aufmerksam zu. Dann haben sie unter Leitung von Monika Anstett und Barbara Neumeier ihren großen Auftritt – und die Kinder der Kirchbergschule erweisen sich als ebenso gute Zuhörer. 

Musik bringt Kindern Freude und fördert das soziale Miteinander

Podium bei der Diskussionsrunde v.l. Thomas Kitig, Silke Möckl, Prof. Thomas Duis und Matthias Pannes

Ein bemerkenswertes Beispiel für die positive Wirkung der Musik, auch für das soziale Miteinander. Mit dem Pilotprojekt „Sozialer Friede durch aktives Musizieren“ an der Rotenbergschule (heute Max-Ophüls-Grundschule) startete die Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken 2004 ihr erstes Kooperationsprojekt mit einer Grundschule.



Inzwischen profitieren Kinder an zwölf Saarbrücker Grundschulen von diesen musikalischen Bildungsangeboten.

Um die Zusammenarbeit zwischen Musikschule und Grundschule, aber auch die Kooperation von Musikschule und Hochschule für Musik (HfM) Saar ging es am 27. September bei der Talkrunde „Musikschule im Gespräch“ im Rathausfestsaal.

Auf dem Podium saßen HfM-Rektor Prof. Thomas Duis, Silke Möckl, Rektorin der Grundschule Kirchberg, und Thomas Kitzig, Leiter der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken. Die Moderation hatte Matthias Pannes, der Bundesgeschäftsführer des Verbands deutscher Musikschulen (VdM) übernommen.

„Nicht jeder Grundschullehrer ist ein begnadeter Musiker“

Schülerinnen und Schüler beim Musizieren im Festsaal Schülerinnen und Schüler beim Musizieren im Festsaal

„Was hat sich geändert, seit Sie mit der Musikschule zusammenarbeiten und ein Percussionprojekt an Ihrer Schule haben?“, wollte Matthias Pannes zum Einstieg von Silke  Möckl wissen.

„Ganz einfach: Der Musikunterricht findet regelmäßig statt“, so die Antwort der Grundschul-Rektorin. 

Dies sei nicht selbstverständlich. „Denn die Ausbildung von Grundschullehrern ist zwar sehr vielfältig und umfasst neben Grundschulpädagogik auch alle Fächer, die an Grundschulen unterrichtet werden. Aber nicht jeder Grundschullehrer ist ein begnadeter Musiker. Deshalb lässt man das Fach Musik gerne mal ein bisschen kürzer ausfallen“, berichtete Möckl.

Das Percussionprojekt mache den Kindern sehr viel Spaß, stärke das Selbstbewusstsein schwächerer Schüler und erleichtere zudem auch die Integration von Kindern mit besonderem Förderbedarf.

Klare Rollenverteilung erleichtert die Zusammenarbeit

Musikschulleiter Thomas Kitzig Musikschulleiter Thomas Kitzig

Damit die Zusammenarbeit von Instrumental- und Klassenlehrern  optimal funktioniert, müsse vor einer solchen Kooperation klar sein, welche Aufgaben die Musikschule und welche die Grundschule übernimmt, erklärte Thomas Kitzig.

„Um diese Klarheit zu schaffen, haben wir für eine Informationsbroschüre für die Schulen erstellt. Wir wären zum Beispiel froh darüber, wenn sich die Klassenlehrer einbringen und täglich mit den Kindern üben würden. Um Klassenlehrer, die diese Aufgabe gerne übernehmen möchten, dazu in die Lage zu versetzen, bieten wir ihnen Einzelunterricht auf dem jeweiligen Instrument an. Das tägliche Üben in der Schule ist sehr wichtig, denn Kontinuität ist beim Erlernen eines Musikinstruments entscheidend.“ 

Vision der städtischen Musikschule sei es, jedem Kind in Saarbrücken die Chance zu geben, mit Musik in Berührung zu kommen. „Daher sind die Grundschulen für uns die wichtigsten Partner. Denn hier erreichen wir alle Kinder vom sechsten bis zum zehnten Lebensjahr“, so Kitzig.

Musikschule und Musikhochschule profitieren gegenseitig voneinander

Musikschule im Gespräch Musikschule im Gespräch

Nicht nur mit Grundschulen, auch mit der Hochschule für Musik Saar arbeitet die Musikschule eng zusammen.

„Dafür bin ich sehr dankbar, denn unsere Studierenden haben so die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und werden dabei von examinierten Lehrkräften der Musikschule unterstützt“, so Thomas Duis.


Darüber hinaus gebe es zahlreiche weitere Berührungspunkte: „Es gibt Lehrkräfte, die sowohl in der Musikschule als auch an der Hochschule für Musik tätig sind, und es gibt eine Zusammenarbeit in den Bereichen Elementare Musikpädagogik und Musikerziehung. Dieser Austausch ist sehr gut und wichtig“, betonte Duis.

Als Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit beider Institutionen nannte Thomas Kitzig das Orientierungspraktium, das angehende Musikpädagogen während ihres Studiums absolvieren müssen. „Bei diesem Praktikum spielt die Berufspraxis eine große Rolle“, erläuterte Kitzig.  „Deshalb nehme ich Studierende zum Beispiel auch in den Kulturausschuss mit. Denn auch mit den Entscheidungsprozessen, die auf kulturpolitischer Ebene stattfinden, sollten Musikpädagogen vertraut sein.“

Große Bereicherung: Elementare Musikpädagogik und Jazzabteilung an der HfM

Jazzaspieler der HfM Musiker der Jazzcombo der städtischen Musikschule

Als besonders positiv hob der Musikschulleiter die Entwicklung hervor, die die Elementare Musikpädagogik (EMP) an der an der HfM  in den vergangenen Jahren gemacht hat.

„Ohne das EMP-Studium wäre vieles von dem, was wir in unserer Musikschule praktizieren, nicht möglich. Diese Ausbildung ist eine große Bereicherung für die saarländische Musikschullandschaft“, betonte Kitzig. 

Zu begrüßen sei auch die Einrichtung einer Jazzabteilung an der HfM.  „Denn U- und E-Musik lassen sich nicht voneinander trennen, egal, ob im Klavier-, Blockflöten- oder Geigenunterricht“, sagte Thomas Kitzig.

Noch Zukunftsmusik: Ausbildung von Musiklehrern für Grundschulen

Musikschule im Gespräch Musikschule im Gespräch

Einig waren sich die Podiumsgäste darin, dass es wünschenswert wäre, wenn an der HfM auch Musikpädagogen für Grundschulen ausgebildet würden.

„Die Universität des Saarlandes würde eine solche Ausbildung gerne anbieten, und auch wir würden dazu sehr gerne einen Beitrag leisten“,  sagte Thomas Duis.


„Aber das ist auch eine Geldfrage, und zur Zeit ist eine heftige Spardiskussion im Gange. Den Politiker sollte bewusst sein, dass wir eine Verpflichtung haben: Wenn wir es nicht schaffen, Kindern schon im Kindergartenalter die Chance zu geben, zu musizieren, dann werden wir in wenigen Jahren eine Verarmung feststellen, die sich bereits jetzt anbahnt.“

Musikschule will Kooperationsprojekte weiter ausbauen

Diskussionsrunde "Musikschule im Gespräch" Diskussionsrunde "Musikschule im Gespräch"

Damit dies nicht geschieht, will die Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken ihre Kooperationsprojekte an Grundschulen weiter ausbauen.  „Ich würde mir sehr wünschen, dass uns die Politik dabei unterstützt, damit die musikalische Bildung in unserer Stadt  an Stabilität gewinnt“, so Kitzig. „Wenn wir die Mittel, die uns momentan zur Verfügung stehen, auch in Zukunft haben, können wir nachhaltig auf dem bisher Geschaffenen aufbauen.“

"Kultur ist teuer, Unkultur ist noch viel teurer!“

Das musikalische Programm des Abends gestalteten neben Schülern der Grundschulen Dellengarten und Kirchberg auch die Jazz-Combo der Musikschule unter Leitung von Hemmi Donié sowie Anna Zimmermann, Mara Zimmermann und  Julia Volkmann, die beim Musikschul-Wettbewerb Klavier Plus/Gitarre Plus 2011 mit ihrem Vorspiel „Klavier sechshändig“ eine Goldmedaille gewonnen hatten.

Zum Abschluss der Gesprächsrunde, die in diesem Jahr in die Veranstaltungsreihe „Bildung in der Stadt“ eingebunden war, zitierte Matthias Pannes den Landeshauptmann von Oberösterreich, Josef Pühringer, mit den Worten: „Kultur ist teuer, Unkultur ist noch viel teurer!“


Text: Alexandra Raetzer
Fotos: Jean M. Laffitau

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