Donnerstag, 25. Juni 2026

Klezmer als Klang gewordene Verständigung

Mit einem Konzert in der Synagoge stellte sich Mitte Juni ein außergewöhnliches Projekt vor: Schülerinnen und Schüler der Musikschule Saarbrücken führten mit dem Klarinettisten Helmut Eisel ein gemeinsam erarbeitetes Klezmerprogramm auf.

Mitreißendes Zukunftskonzert in der Synagoge

Musik, Mut zur Improvisation und gelebtes Miteinander: Mit einem eindrucksvollen Konzert in der Synagoge Saarbrücken fand Mitte Juni ein außergewöhnliches Musikschulprojekt statt:

Rund 20 Schülerinnen und Schüler der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken erarbeiteten gemeinsam mit dem Klarinettisten Helmut Eisel und seiner Band ein facettenreiches Klezmerprogramm – zwischen Melancholie und überschäumender Lebensfreude, Tradition und spontaner Improvisation.

Was dabei entstand, war weit mehr als ein Konzertabend: Es war ein musikalisches Plädoyer für Offenheit, Respekt und ein lebendiges Miteinander.

Ein Aufruf, der Resonanz fand

„Klezmermusik – sie ist mal tief traurig, mal Lebensfreude pur, vor allem aber ein Wundermittel für eine Gesellschaft ohne Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit!“

Mit diesem ebenso poetischen wie programmatischen Aufruf waren die Schülerinnen und Schüler der Musikschule eingeladen worden, Teil eines besonderen Zukunftskonzerts zu werden.

Alter und Instrument spielten dabei keine Rolle; entscheidend war allein die Lust, sich auf Musik einzulassen, die von Emotion, Ausdruckskraft und Begegnung lebt.

Der Aufruf zeigte Wirkung: 20 Interessierte fanden sich zusammen und begaben sich mit Helmut Eisel und seiner Band (Juan Pablo Gonzalez Tobon, Gitarre; Stefan Engelmann, Kontrabass) auf eine musikalische Reise durch die Welt des Klezmer.

Zwischen Tradition und Freiheit

In mehreren Proben entstand ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Konzertprogramm. Das Projektorchester widmete sich dabei sowohl traditionellen Melodien – etwa dem schwungvollen „Freilach“ – als auch Eigenkompositionen von Helmut Eisel.

Immer wieder ermunterte der erfahrene Klarinettist die Mitwirkenden, sich von den Noten zu lösen, zu improvisieren und den eigenen musikalischen Impulsen zu vertrauen.

So wurde das Projekt nicht nur zu einer Begegnung mit einer besonderen Musiktradition, sondern auch zu einer Einladung, Klang als Ausdruck von Persönlichkeit und Freiheit zu verstehen.

Die Synagoge als Erfahrungsraum

Dass dieses Projekt weit über das Musikalische hinausreichte, zeigte auch ein weiterer Baustein des Programms: Eine Führung durch die Synagoge war von Beginn an eingeplant und wurde den Teilnehmenden zusätzlich angeboten.

Kantor Benjamin Chait vermittelte dabei nicht nur Einblicke in jüdische Bräuche und religiöses Leben, sondern setzte auch wichtige Impulse für die Frage, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft und Prägung einander begegnen wollen.

Die Synagoge wurde so nicht allein zum Konzertort, sondern zum Erfahrungsraum für Dialog, Neugier und gegenseitigen Respekt.

"Es war deutlich zu merken, dass da ein richtig guter Geist entstanden war!“ Helmut Eisel

Geist, Wärme und Energie

Am Sonntag, 14. Juni, war es schließlich so weit: Vor erwartungsvollem Publikum brachte das Projektorchester sein Programm in der Synagoge Saarbrücken zur Aufführung.

Die besondere Atmosphäre des Ortes, die Intensität der Musik und die spürbare Begeisterung aller Beteiligten verliehen dem Konzert eine eindrucksvolle Dichte.

Helmut Eisel zeigte sich im Anschluss bewegt von der Entwicklung des Projekts:

„Die Gruppe ist über die Proben stetig gewachsen, und mit der Synagogenführung konnte der Kantor der Synagoge, Benjamin Chait, nicht nur jüdische Bräuche, sondern auch ganz wichtige Impulse Richtung ‚Wie wollen wir miteinander umgehen?‘ vermitteln. Es war deutlich zu merken, dass da ein richtig guter Geist entstanden war!“

Dieser „gute Geist“ war an diesem Abend tatsächlich hör- und spürbar: in der Aufmerksamkeit füreinander, in der Freude am gemeinsamen Musizieren und in einer Musik, die wie kaum eine andere von Erinnerung, Hoffnung und Menschlichkeit erzählt.

Zusammenarbeit mit Perspektive

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken mit Helmut Eisel sowie der Synagogengemeinde Saarbrücken. Schon jetzt ist klar: Die Idee der Zukunftskonzerte wird weitergetragen!

Zweites Zukunftskonzert am 6. September 2026

Das zweite Zukunftskonzert findet am Sonntag, 6. September 2026, um 17 Uhr in der Synagoge Saarbrücken statt.

Mitwirkende sind das Klezmer-Projektorchester der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken, Nino Deda an der Synagogalorgel und am Akkordeon, Helmut Eisel & JEM, Kantor Benjamin Chait sowie Petra Marcolin, Leiterin der Musikschule.

Hierzu ergeht jetzt schon eine herzliche Einladung!

Zudem ist eine Einbindung des Projekts in die Interkulturelle Woche in Saarbrücken Ende September 2026 geplant.