Hochschule für Musik (HfM) Saar

Mit der Hochschule für Musik Saar arbeitet die Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken eng zusammen. Zu der Kooperation gehören unter anderem Praktika für Studierende sowie Vorbereitungskurse für ein Studium an einer Musikhochschule.

Neue Kooperation mit der Jazzklasse der HfM Saar

Wenn die Combo der Musikschule in der Hochschule jamt

Combo-Session in der HfM (Foto: A. Raetzer) - A. Raetzer

Combo-Session in der HfM (Foto: A. Raetzer) - A. Raetzer

Combo-Session in der HfM (Foto: A. Raetzer) - A. Raetzer

Was wird uns heute erwarten? Die letzte Probe vor den Weihnachtsferien war für die elf Mitglieder der Jazzcombo der Musikschule ein „Überraschungspaket“. Denn was genau Oliver Strauch, Professor für Jazzschlagzeug an der HfM Saar, und seine Kollegen an diesem Donnerstagabend geplant hatten, wusste keiner so richtig. Unter Leitung von Hemmi Donié hatte die Combo einige Stücke aus ihrem Repertoire vorbereitet und spielte sie den zahlreich erschienenen Dozenten und Studenten vor. Auch Dr. Barbara Neumeier, Lehrerin an der Musikschule und Lehrbeauftragte für Jazzdidaktik an der HfM, hörte aufmerksam zu – schließlich hatte sie die Idee gehabt, die Musikschulcombo und Jazzstudenten zusammenzubringen.

Das „Experiment“ gelang, denn ganz schnell fanden sich Combomitglieder, Studenten und Dozenten zu spontanen Formationen zusammen: André Gouverneur nahm am Schlagzeug den Platz von Combo-Drummer Karl Heppe ein, Olaf Theis, im ersten Semester an der HfM, griff zum Barithonsaxophon, Gilles Grethen nahm seine Gitarre zur Hand, und Tobi Fritzen, der sein Studium in Kürze beendet, löste Achim Lenjoint bei einigen Jazzstandards am Kontrabass ab.

Zusammenarbeit mit der Combo schafft "realistische Lernsituation" für Studenten

Zwischendurch blieb genügend Zeit, miteinander ins Gespräch zu kommen. So lüftete sich schließlich auch das Rätsel um die Frage, was genau es mit der Einladung in die HfM auf sich hatte. „Im Rahmen der Jazzdidaktik finden bei uns zwei Mal im Jahr Bandleitungsworkshops statt“, erzählt Tobi Fritzen. „Bisher haben wir Studenten uns bei diesen Workshops gegenseitig unterrichtet. Aber natürlich wäre es besser, eine realistische Lernsituation mit einer Schülerband zu haben.“ Genau darum geht es Prof. Oliver Strauch: „Wenn wir die Bandleitungsworkshops in Zukunft mit der Jazzcombo der Musikschule machen könnten, erfahren unsere Studenten, wie das wahre Unterrichten aussieht. Ich finde diesen Austausch spannend, und wir sind in der komfortablen Situation, dass Musikschule und Hochschule so nah benachbart sind.“

Musikschule und Musikhochschule: eine Partnerschaft, von der alle profitieren

Dass diese Nähe durchaus nicht nur räumlich, sondern auch durch viele persönliche Kontakte gegeben ist, betonten die Leiter der beiden Institutionen, HfM-Rektor Prof. Wolfgang Mayer und Musikschulleiter Thomas Kitzig, die beide zur ersten „Kennlern-Session“ gekommen waren. Für sie ist das neue Kooperationsprojekt im Bereich Jazz ein weiterer Baustein der seit vielen Jahren bestehenden engen Zusammenarbeit – etwa in Form von Praktika für Studierende der HfM in der Musikschule oder Musikschulkursen zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule.

"Eine gute Sache"

Wie es sich für jede sogenannte „Win-Win-Situation“, von der jeder der Beteiligten etwas hat, gehört, profitieren auch die Jazzcombo-Mitglieder von den geplanten Workshops an der Hochschule. „Es war schön, mit anderen Leuten zu spielen – und erfreulich, dass es geklappt hat“, findet Klaus Thull, langjähriges Mitglied der Jazzcombo. Auch Bassist Achim Lenjoint hat das erste Treffen Spaß gemacht: „Ich habe mir sowieso vorgenommen, mehr auf Sessions zu spielen!“ Comboleiter Hemmi Donié freut sich für die Mitglieder seines Jazzensembles: „Es ist eine gute Sache, dass sie die Möglichkeit bekommen, auch mal in einem anderen Rahmen zu spielen!“ 

Gut vorbereitet für die Aufnahmeprüfung

In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik Saar bietet die Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken regelmäßig Vorbereitungskurse für ein Studium an einer Musikhochschule an.

Alexandra Raetzer

Alexandra Raetzer

Alexandra Raetzer

Komplizierte Rhythmen klopfen, Intervalle und Akkorde hören, Kadenzen aussetzen: wer die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule bestehen will, sollte damit keine Probleme haben. Denn neben sehr guter Leistungen auf dem Hauptfach-Instrument und ordentlicher Leistungen im Nebenfach-Instrument müssen angehende Musik- und Musikpädagogikstudenten bei der obligatorischen Aufnahmeprüfung auch solide musiktheoretische Kenntnisse unter Beweis stellen. Erwartet wird deutlich mehr als das, was man im Gymnasium lernt

Gehörbildung und Harmonielehre stehen auf dem Stundenplan

„In den Lehrplänen der weiterführenden Schulen stehen eher musikgeschichtliche, - soziologische und musikphilosophische Fragen im Vordergrund“, weiß Everard Sigal. Er leitet die Studienvorbereitungskurse, die die Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken in Kooperation mit der Hochschule für Musik (HfM) Saar bereits seit vielen Jahren anbietet. Der Kurs findet ein Mal pro Woche statt und steht allen offen, die sich auf ein Studium an einer Musikhochschule vorbereiten möchten. 

Rhythmusdiktate verlangen volle Konzentration

Gehörbildung und Harmonielehre bei Everard Sigal, das bedeutet für die Kursteilnehmer zwei Stunden volle Konzentration. Viele Unterlagen braucht man für den Unterricht nicht, Notenpapier, Bleistift und Radiergummi  genügen, um bei den Übungen mitzumachen. Mit dem Bleistift wird mal geschrieben, mal geklopft. „So trifft man die Rhythmen präziser, als wenn man sie klatscht“, erklärt Sigal, während er einige Takte mit unterschiedlich langen Pausen, Sechzehntelgruppen, punktierten Achteln und Zweiunddreißigsteln an die Tafel schreibt.

Kooperation zwischen Musikschule und HfM hat sich bewährt

„Die Kooperation zwischen Musikschule und Musikhochschule funktioniert dank der personellen und räumlichen Nähe sehr gut“, berichtet Everard Sigal. Da er sowohl Lehrer an der Musikschule als auch Lehrauftragter der HfM ist, weiß er, wo die angehenden Studenten nach der Schule stehen und mit welchen Anforderungen sie bei der Aufnahmeprüfung rechnen müssen. „Dadurch kann ich die Kursteilnehmer optimal vorberiten“, so Sigal. Ein dreiviertel Jahr dauert der Kurs. „Das reicht im Normalfall, um auf die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen der Teilnehmer einzugehen und darauf aufbauend das Niveau zu erreichen, das bei der Aufnahmeprüfung erwartet wird.“