Gitarrenlehrer mit Herz

Michael Marx, ein Urgestein der Musikschule, ist jetzt Rentner

Fast 40 Jahre lang gab Marx an der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken sein Können und seine Liebe zur Gitarre an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter. Seit April 2021 ist er in Rente.

Michael Marx - Michael Marx

Michael Marx - Michael Marx

Michael Marx - Michael Marx

„Meine Mama hat gesagt, ich darf ruhig weinen.“ Geweint hat der Achtjährige dann aber doch nicht in seiner letzten Gitarrenstunde bei Michael Marx. Stattdessen kündigte er an, bald zu einem Konzert seines Lehrers zu kommen. Der solle später bitte auch im Publikum sitzen, wenn er selbst einmal auftrete – „wenn Du dann noch lebst“, sagte der kleine Gitarrist. Michael Marx lacht, während er die Anekdote über seinen Abschied von der Musikschule erzählt.

„Meine Schüler vermisse ich"

Fast 40 Jahre lang gab Marx an der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken sein Können und seine Liebe zur Gitarre an Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiter. Seit April 2021 ist er in Rente. So gut es dem zweifachen Opa und weiterhin aktiven Musiker im „Musikschul-Ruhestand“ auch geht: „Meine Schüler vermisse ich natürlich“, sagt Michael Marx. Seinen ältesten Schüler unterrichtete er 25 Jahre lang. „Da entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis“, so Marx.

Erfolgsrezept: Freude vermitteln, statt streng zu sein

Mit all seinen Schülerinnen und Schülern habe er sich sehr gut verstanden, was wohl auch daran liege, dass er nie ein „strenger Lehrer“ war, sondern einer, auf dessen Unterricht man sich freut. „Das war mir immer am wichtigsten: dass meine Schüler gerne und ohne Stress in die Musikschule kommen“, betont Michael Marx.

In seltenen Fällen hätten sich Eltern mehr Druck gewünscht, mehr dringende Appelle, regelmäßig zu üben. „Darauf habe ich mich nie eingelassen. Denn ich habe es oft erlebt, dass Kinder auf ihrem Instrument irgendwann riesige Fortschritte gemacht haben – eben deshalb, weil sie gerne in den Unterricht kamen und eines Tages ganz von selbst auch zu Hause immer öfter zur Gitarre griffen.“ Viele von ihnen spielen noch heute solistisch oder in Bands. Für Michael Marx die wohl schönste Bestätigung dafür, als Musikpädagoge den richtigen Ton getroffen zu haben. 

Zu den größten Annehmlichkeiten des Rentnerlebens gehört für Michael Marx, dass er mehr Zeit für die Familie hat und nicht mehr auf zwei Hochzeiten tanzen muss. „In Zeiten, in denen ich viele Konzerte gegeben habe, wurde es manchmal schon stressig, das Musikerdasein und das Unterrichten unter einen Hut zu bringen“, erinnert sich Marx, der während der Corona-Zwangspause des Öfteren von der heimischen Couch aus musikalische Grüße an seine Facebook-Community sendet. „Dafür krame ich alte Stücke aus und übe sie.“ Statt Applaus gibt es auf Facebook dafür „Likes“ – Daumen hoch und Herzchen – oder auch begeisterte Kommentare.

Doch das Internet kann echte Begegnungen nicht ersetzen, findet Marx. Deshalb war er froh, in seinen letzten beiden Wochen an der Musikschule noch einmal in den Genuss des Präsenzunterrichts gekommen zu sein und freut sich nun auf die bevorstehenden „echten“ Konzerte im Sommer und Herbst.  

Musikalisch unterwegs ist der singende Gitarrist sowohl solistisch (mit bekannten Songs in eigenen Interpretationen sowie mit selbstgeschriebenen Liedern) als auch im Duo mit dem Akkordeonisten Nino Deda und im Trio „SMS“ mit Joe Smoke und Herbert Schreiner (beide wie Michael Marx Gitarre und Gesang). Die meisten überregionalen und internationalen Auftritte hat Michael Marx als Mitglied von „Helmut Eisel & JEM“ (mit Helmut Eisel – Klarinette, Stefan Engelmann – Bass).

Konzerte mit Michael Marx im Sommer 2021

Die nächsten Gelegenheiten, Michael Marx zu sehen und zu hören, bieten ein Streaming-Konzert mit Nina Deda aus der Gebläsehalle Neunkirchen am Montag, 7. Juni (online eine Woche lang abrufbar), ein Live-Konzerte mit „Helmut Eisel & JEM“ am 25. Juni vor der Stummschen Reithalle Neunkirchen und ein Konzert „Lieder der Poesie“ am 4. Juli, ebenfalls vor der Stummschen Reithalle.

"Auf Wiedersehen" in der Musikschule

Für ein Schwätzchen mit Michael Marx kann mit etwas Glück auch ein Besuch der Musikschule genügen. „Zu der ein oder anderen Veranstaltung oder auch einfach mal so werde ich bestimmt ab und zu in der Musikschule vorbeischauen“, verspricht Marx. Schließlich wohnt sein vor acht Monaten geborener Enkel Jonathan im Nauwieser Viertel. Und die Atmosphäre in der Musikschule fand Marx dank des netten Kollegiums immer „sehr positiv“. Die aus Krimis bekannte Erkenntnis scheint auch auf Musikschullehrer zuzutreffen: sie kehren mitunter zum „Tatort“ zurück.

Weitere Infos und Konzert-Termine im Internet unter michaelmarx.de