"Nicht nur die Mondscheinsonate ..."

Am Wochenende 14. / 15. Dezember hatte die Beethoven-Jubiläumsgesellschaft bundesweit dazu aufgerufen, Hausmusik-Konzerte mit Werken des 1770 in Bonn geborenen Komponisten zu veranstalten und unter dem Motto „Beethoven bei uns“ auf  das Jubiläumsjahr 2020 einzustimmen. 

Schülerkonzert im Rahmen des bundesweiten Hausmusik-Wochenendes „Beethoven bei uns“ zum Auftakt des Jubiläumsjahres 2020

Melissa Meiser spielte Etüden von Carl Czerny und Franz Liszt. - Jean M. Laffitau

Melissa Meiser spielte Etüden von Carl Czerny und Franz Liszt. - Jean M. Laffitau

Melissa Meiser spielte Etüden von Carl Czerny und Franz Liszt. - Jean M. Laffitau

Ein ganz besonderes Konzert erlebten die Zuhörer am 14. Dezember 2019 im Tzvi-Avni-Saal der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken. Dort spielten Klavierschülerinnen von Jutta Ernst, Ivette Kiefer, Chi-Hsien Kuan  sowie die Violinistin Lena Axmann (Musikschule Sulzbach- / Fischbachtal, Klasse Katrin Müller-Zerfaß) Werke von Beethoven und Zeitgenossen. Charline Breunig eröffnete das Programm mit dem „Allegro moderato“ aus Joseph Haydns Sonate F-Dur Hob. XVI:23. „Haydns Musik hat Beethoven sehr geschätzt. Aber als Lehrer war er ihm nicht streng genug. Beethoven sagte einmal, Haydn habe im Unterricht so ‚geschludert’“, erzählte Dr. Friedrich Spangemacher, der das Konzert kurzweilig moderierte.

„Man braucht nur fünf Töne zu hören und schon weiß man: das ist von Beethoven“, sagte Spangemacher, und sang einige der bekanntesten Beethovenmotive vor, die jedes Kind kennt. Einen der „Ohrwürmer“ aus der Feder des unerreichten Vollenders der sinfonischen Musik interpretierte Emily Junker mit „Für Elise“, gefolgt von dem Duo Lena Axmann (Violine) / Elline Owen (Klavier) mit der „Romanze Nr. 2“ F-Dur op. 50.

„Während an Beethovens Begräbnis 20.000 Menschen teilnahmen, wurde Mozart von der Öffentlichkeit unbeachtet in einem Massengrab beerdigt“, berichtete Friedrich Spangemacher. „Mozart war wie Beethoven ein Meister der Improvisation. Er konnte ganze Sonaten aus dem Kopf spielen.“ Als er Beethoven einmal ein Thema zur Improvisation vorgegeben hatte und ihn spielen hörte, habe Mozart gesagt: „Von diesem Mann wird man noch hören!“. Er sollte Recht behalten. An Wolfgang Amadeus Mozart erinnerte Annabella Schmid mit dem 1. Satz  aus der Sonate F-Dur KV 280.. Im Anschluss interpretierte Nina Zwetzich das Adagio aus Ludwig van Beethovens Sonate C-dur op. 2 Nr. 3.

„Nicht nur die Monscheinsonate...“, so lautete der Titel des Schülerkonzertes. „Nicht nur ... aber auch die Mondscheinsonate“, wie Friedrich Spangemacher schmunzelnd ergänzte, denn Anna Zimmermann sorgte mit dem Adagio sostenuto aus der Sonate cis-moll op.27 Nr. 2 dafür, dass dem Publikum auch dieser immer wieder unter die Haut gehende „Klassik-Hit“ nicht vorenthalten blieb. Dank Magdalena Anstett stand auch das ähnlich bekannte Adagio cantabile aus der Sonate c-moll op. 13 („Pathétique“) auf dem Programm.

Gleich zwei Zeitgenossen Beethovens stellte Melissa Meiser vor, die jeweils drei Etüden von Carl Czerny und Franz Liszt spielte. „Als Liszt 14 Jahre alt war, erlebte Beethoven ihn bei einem Konzert als Pianist und war so begeistert, dass er ihn auf die Stirn küsste“, erzählte Friedrich Spangemacher. „Dabei konnte er ihn nur spielen sehen, denn zu diesem Zeitpunkt war Beethoven bereits ertaubt.“

„Beethoven war zu seiner Zeit der große Popstar – sozusagen der Michel Jackson des 19. Jahrhunderts. Am Klavier galt er als wahrer 'Tastenlöwe'. Außerdem spielte er Geige und war ein hervorragender Organist.“
Dr. Friedrich Spangemacher, Vorsitzender des Fördervereins der Musikschule der Landeshauptstadt Saarbrücken

Lillian Marilley hatte das letzte "Wort". - Jean M. Laffitau

Lillian Marilley hatte das letzte "Wort". - Jean M. Laffitau

Lillian Marilley hatte das letzte "Wort". - Jean M. Laffitau

Mit dem Allegro aus Beethovens Sonate F-Dur op.10,2 hatte Pianistin Lillian Marilley das letzte „Wort“. Das Publikum bedankte sich bei den jungen Interpretinnen und ihren Lehrerinnen mit kräftigem Applaus für eine Stunde Musikgenuss auf hohem Niveau. Wäre Beethoven tatsächlich „bei uns“ gewesen, er hätte seine wahre Freude daran gehabt, wie junge Leute seine Musik im 21. Jahrhundert lebendig halten!